Betreuer: Augustin-König, Neef,
Rupprecht
Termine:
Wöchentlich Di. 1415 – 1600 Uhr, Treffpunkt im Foyer
Am Eugen-Bolz-Gymnasium gibt es seit 1983 eine
Garten-AG und seit 1990 eine Imkerei-AG. Unsere Bienenhaltung zählt damit
sicher zu den am längsten existierenden Schulimkereien des Landes Baden-Württemberg.
Nach etlichen Jahren der Aufbauarbeit ist die Arbeitsgemeinschaft inzwischen
fester Bestandteil des Schullebens. Ein Schauvolk und einige kleinere Völker
stehen jedes Jahr im Schulgarten direkt neben dem Schulhaus, damit alle Schülerinnen
und Schüler unserer Schule ihre während des Biologieunterrichts erworbenen
theoretischen Kenntnisse in der
praktischen Arbeit mit Bienen erweitern können.
Die AG findet wöchentlich einmal nachmittags
statt, im Frühjahr und Sommer auch in den Ferien, weil Bienen sich nicht um
Ferientermine kümmern. Während der Arbeit an den Bienen tauchen viele Fragen
auf:
| Bild 1: Wir haben einen Schwarm eingefangen, ein erfahrener Imker erklärt, was zu tun ist. |
Gibt es auf diese Fragen noch einfache Antworten,
stehen auch wir Lehrer mitunter vor einem Rätsel, warum gerade dieses starke
Volk weniger Honig eintrug als das nebenstehende oder warum das eine schwärmt,
das andere nicht. Genau diese Mischung zwischen Routine und ständig neuen
Situationen macht die Beschäftigung mit Bienen für Schüler und Lehrer
anhaltend spannend.
In der kalten Jahreszeit reparieren wir im Werkraum
der Schule unsere Beuten (Bienenwohnungen). Der Umgang mit Bohrmaschine, Säge,
Hammer, Schrauben und Nägeln wird geschult. Wir verleimen Fütterungseinrichtungen,
löten Mittelwände aus Wachs in die Honigrähmchen oder streichen unsere
Bienenkästen außen mit Leinöl an, um ihnen eine möglichst lange Haltbarkeit
zu verleihen. Damit sind längst nicht alle Tätigkeiten aufgezählt, die es zu
erledigen gibt. Sie fördern handwerkliches Geschick, das im Gymnasium oft zu
kurz kommt.
Das gemeinsame Ziel verbindet und führt Schülerinnen
und Schüler über mehrere Klassenstufen hinweg zusammen. Diese vertikale
Struktur führt dazu, dass Jüngere ganz selbstverständlich mit Älteren
arbeiten und von ihnen lernen. Der gemeinsame Umgang miteinander spielt eine
ganz wesentliche Rolle in unserer Schulimkerei. Ganz selbstverständlich helfen
die „erfahrenen Profis“ den „Neuen“ bei schwierigen Holzarbeiten, geben
Tipps zur Pflege eines Volkes oder unterstützen beim Kerzen ziehen aus flüssigem
Bienenwachs.
Begonnen hat die Erfolgsgeschichte unserer
Bienenhaltung mit einem Bienenvolk, das ich im September 1990 zur
Veranschaulichung meines Biologieunterrichts im Schulgarten aufstellte. Einige
Schüler/innen der Klasse 7 äußerten nach dem Besuch des Bienenvolkes spontan
den Wunsch nach eigener Bienenhaltung. Da sie wochenlang nicht locker ließen,
gab ich ihrem Wunsch zunächst noch etwas zögernd nach. Rücksprachen mit der
Schulleitung und der Stadtverwaltung signalisierten eine wohlwollende Unterstützung
für dieses Projekt. Der örtliche Imkerverein überließ uns zwei Bienenvölker,
etliche gebrauchte Beuten und sponserte zehn Imkerkittel zum Schutz der
Jungimker. Neun Schülerinnen und Schüler beteiligten sich an dieser AG, die
von Anfang an mit weiten Wegen verbunden war. Immerhin liegt der Lehrbienenstand
des Imkervereins Rottenburg, auf dem unsere Bienen stehen, 15 Fahrradminuten und
150 Höhenmeter von der Schule entfernt. Im Sommer ist schon die Anfahrt eine
schweißtreibende Tätigkeit. Manche Schüler nahmen Anfahrtswege mit dem
Fahrrad von über 10 km in Kauf, um nachmittags die Bienen zu betreuen.
Mit zwei weiteren Völkern aus meiner eigenen
Imkerei standen uns für den Einstieg vier starke Bienenvölker zur Verfügung.
Eines der vier Völker war unser Schauvolk, an dem wir exemplarisch zuerst alle
auszuführenden Eingriffe besprachen, bevor die Imker an den restlichen Völkern
selbst tätig wurden. Schon im ersten Sommer trugen die Völker etwa 25 kg Honig
pro Volk ein. Die Schulimkerei hatte zwar mit einem guten Honigjahr begonnen,
jedoch es fehlten uns noch sämtliche Geräte für die Ernte und Verarbeitung
des Honigs. So musste anfangs noch kräftig improvisiert werden. Den Honig
gewannen wir beispielsweise aus meiner privaten Honigschleuder, die zu diesem
Zweck von Tübingen nach Rottenburg geschafft werden musste. Mit Hilfe einer großzügigen
Spende des Fördervereins der Schule wurde dieses Problem einige Jahre später
gelöst. Im Laufe der Zeit wuchs die AG so stark, dass mein Kollege Robert
Augustin-König mit einstieg. Da wir auch noch die Garten-AG leiten, arbeitet
seit dem Schuljahr 2000 unsere junge Kollegin Gyda Rupprecht in beiden
Arbeitsgemeinschaften mit. So ist gewährleistet, dass der wöchentliche
Rhythmus stets beibehalten wird und wir seit Jahren etwa zehn bis zwölf Bienenvölker
halten können. Zusammen mit unseren eigenen Bienen wird inzwischen der Honig
von etwa 60 Völkern in unserem Honigraum geschleudert. Durch den Verkauf von
mehreren Zentnern Honig und einer Menge Bienenwachskerzen an die Mitglieder der
Schulgemeinde ist die AG in den letzten Jahren finanziell unabhängig geworden.
So konnten wir alle wichtigen Geräte zur Honiggewinnung, die aus Edelstahl bzw.
lebensmittelechtem Kunststoff gefertigt sein müssen und deshalb sehr teuer
sind, finanzieren. Auch den Balkenmäher, den wir zur Pflege der Streuobstwiese,
auf denen unsere Völker stehen, benötigen, beschafften wir zum Teil aus
AG-Mitteln. Unsere neueste Anschaffung war eine Gerätehütte auf unserem
Bienenstand, in der wir nun unsere ungenützten Bienenkästen und Werkzeuge
aufbewahren. Das gelbe Gold macht es möglich.
Wir unterstützen schon jahrelang die Schulimkerei
des Karl-von-Frisch-Gymnasiums in Dusslingen. Die Schülerinnen und Schüler
dieses Gymnasiums schleudern ihren Honig im Honigraum unserer Schule, weil sie
noch keine eigene Schleuder besitzen. Inzwischen ist daraus eine fruchtbare
Kooperation mit regelmäßigem Austausch entstanden. Immer wieder machen sich
auch Schüler unserer Schule von der AG selbständig und halten eigene Völker.
Zum Verarbeiten des Honigs sind sie ebenfalls noch auf die schulischen
Einrichtungen angewiesen. Selbst einige Jungimker des Vereins schleudern ihren
Honig bei uns.
Zu Grundschulen halten wir regen Kontakt. Beispielsweise wandern die Kinder der Grundschule Bad Niedernau jedes Jahr mit ihrer Lehrerin zu unserem Lehrbienenstand, der drei Kilometer von der Grundschule entfernt liegt. Nach den Beobachtungen an den Bienenvölkern dürfen die Grundschüler in der Drohnenbrut, das ist die Kinderstube der männlichen Bienen, nach Varroamilben suchen, die auf den Maden parasitieren. Kinderaugen sehen diese nur wenige Millimeter großen Plagegeister der Bienen oft besser als Erwachsene. Zum Schluss kann jedes Kind ein Glas Honig abfüllen und es gibt für alle Kinder köstliche Honigbrote.
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Bild 2: Grundschüler bei der Varroakontrolle |
Von Beginn an kooperierten wir sehr eng mit dem örtlichen Imkerverein. Schon im ersten Sommer präsentierten die jungen Imker eine Ausstellung für einen Tag der offenen Tür, zu dem der Imkerverein die Öffentlichkeit eingeladen hatte. Mit erstaunlicher Selbstsicherheit erklärten sie den Besuchern vor dem Schaukasten den Aufbau eines Bienenvolkes. Seither ist die Imkerei-AG des Eugen-Bolz-Gymnasiums jedes Jahr für die Ausstellung während des Tages der Imkerei am Lehrbienenstand verantwortlich. Inzwischen ist die öffentliche Präsentation des Vereins ohne die jugendlichen Imker der Schule gar nicht mehr denkbar. Außerdem hat Robert Augustin-König seit 2001 den Vorsitz des Vereins übernommen, bei dem ich seit über zehn Jahren Schriftführer bin. Etliche unserer jungen Imker sind inzwischen in den Verein eingetreten, wodurch das Durchschnittsalter seiner Mitglieder ganz wesentlich gesenkt wurde.
| Bild 3: Der Zuchtwart des Vereins, Stefan Löffler, macht junge Besucher mit unserer Ausstellung vertraut. |
Von 1999 bis 2003 besuchte uns einmal im Jahr das Großpraktikum der Universität Tübingen unter der Leitung von Professor Frey. Die Studenten sollten im Rahmen ihrer Ausbildung einen Einblick in die Schulpraxis gewinnen und möglichst selbst aktiv werden. Da wir außer der Imkerei-AG noch eine gut ausgebaute Garten-AG umtreiben, waren wir ganz glücklich über diese Kooperation, konnten uns doch die Studenten bei einigen schwereren Arbeiten tatkräftig unterstützen. Auch der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern tat den angehenden Lehrerstudenten gut. Sie traten für wenige Stunden aus dem geschützten Unibetrieb heraus, um sich selbst in einer neuen Situation zu erleben und eine ganz andere soziale Herausforderung zu bestehen. Gemeinsam mit unseren Schülern schnitten sie Hecken, sorgten auf dem fast zugewachsenen Schulteich wieder für eine freie Wasseroberfläche, bauten eine neue Gerätehütte oder halfen bei der Pflege unserer schuleigenen Streuobstwiese, auf der die Bienen überwinterten. Leider ist mit der Einrichtung des verbindlichen Schulpraktikums diese für beide Seiten fruchtbare Kooperation zu Ende gegangen, denn „ Alles in allem hat uns diese Aktion viel Spaß gemacht, und der/die eine oder andere von uns wird Ideen, die wir hier bekamen, umsetzen, wenn er/sie Lehrerin sein wird...“ schrieben Studenten auf ihrer Internetseite des Praktikums nach dem Treffen mit unseren Schülern.
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Bild 4: Streuobstwiesenpflege mit Studenten des Großpraktikums |
Seit Herbst 2003 findet zwischen Rottenburg und Sulz am Neckar alljährlich ein autofreier Sonntag statt. Nur autofreies Fortbewegen ist auf der 60 km langen Strecke zwischen diesen beiden Orten erlaubt. Organisiert wird diese Veranstaltung, zu der tausende von Menschen kommen, von Mitgliedern der örtlichen Agenda 2010 zum Schutz der Erdatmosphäre. Alle Gruppen, die auf sich und ihre Arbeit aufmerksam machen wollen, können an diesem Tag an die Öffentlichkeit treten. Unsere AG präsentierte sich entlang der Bad Niedernauer Straße mit Schauvölkern, einer Ausstellung und eigenen Produkten und zog den ganzen Tag über viel interessiertes Publikum an.
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Bild 5: Die AG zeigt sich in der Öffentlichkeit |
Ein weiterer fester Termin im Jahr ist für unsere Schüler der Besuch des Tages der offenen Tür des Instituts für Bienenkunde Hohenheim. Ein Zitat aus dem Bericht eines Schülers zeigt am besten, welche großartige Lernmöglichkeiten uns dieser Besuch jedes Mal bietet: „Herr Dr. Dr. Horn führte uns im Schleuderraum die verschiedenen Werkzeuge zum Entfernen der Wachsschicht auf Bienenwaben vor: die traditionelle Entdeckelungsgabel, eine Heißluftpistole, die den Luftraum zwischen Honig und Deckel erhitzt und so den Deckel schmelzen lässt, und einen Apparat mit vielen Eisenzähnen, welche die Deckel aber auch den Überbau der Wabe mechanisch abschaben. Bei diesen Methoden konnte man schon ein bisschen neidisch werden, wenn man sah, wie schnell die Pistole die Deckel wegschmelzen ließ. Nun stand die Pollenanalyse auf dem Programm. In seinem Labor erklärte uns ein anderer Wissenschaftler neben der Spritzprobe eine weitere Variante, den Reifegrad des Honigs festzustellen: Er legte Honig auf ein kleines Prisma und konnte dann auf einer Farbskala den Reifegrad ablesen. Danach beeindruckte er uns durch seine Kenntnis von ca. 7000 Pollensorten, was er gleich unter Beweis stellte, als jeder mit ihm durch ein Brückenmikroskop schaute und er auf einem Präparat Pollen im Sekundentakt bestimmte, die für uns Laien nur winzige Unterschiede aufwiesen.“
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Bild 6: Pause in der Mittagshitze unter den Schattigen Hohenheimer Parkbäumen |
Nachdem wir im Juni 2004 eine ausgesprochen erfolgreiche Lehrerfortbildung zum Thema „Bienen halten an Schulen“ angeboten hatten, wurde an uns der Wunsch herangetragen, dieses Angebot fortzuentwickeln. Im April 2005 findet die zweite Fortbildung zu diesem Themenkomplex statt. Es ist für die AG-Mitglieder selbstverständlich, bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Fortbildung mitzuhelfen. Unsere erfahreneren Jugendlichen erläutern den Aufbau eines Bienenvolkes oder führen eine „Varroadiagnose“ mit den Kursteilnehmern durch. Wir erleben hier, dass jugendliche Experten ihren Wissensvorsprung an Erwachsene weitergeben können. Dies ist für Jugendliche sehr motivierend und unterstützt ihre persönliche Entwicklung.
Walter Neef